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  • Rahel

Die ersten Tage in Oslo

Als ich in Oslo ankam, war ich begeistert von der Balance zwischen Modernität und Tradition. Ich wollte am liebsten alles gleich anschauen und durch die Straßen laufen, doch die Busfahrt, selbst wenn man „nur“ sitzt, hat mich erschöpft. Die Nacht zuvor hatte ich nicht viel geschlafen und fast während der ganzen Fahrt, saß jemand neben mir, sodass ich mich nicht ausbreiten konnte.

Liebenswerter Weise hat mich mein Host vom Busbahnhof abgeholt und wir sind gemeinsam zurück in seine Wohnung gefahren. Er war ein dünner mitte 50 jähriger Mann, freundlich und redete ununterbrochen. In seiner Wohnung angekommen war ich komplett überfordert; die lange Fahrt, mein Host, den ich noch nicht ganz einschätzen konnte und seine Wohnung, die absolut nicht meinen Erwartungen entsprach. Es war eine kleine 2˗Zimmer Kellerwohnung, wenig Licht, schmutzig. Überall hing ein muffig, stehender Geruch der abgestandenen Zigaretten ähnelte. Mich überkam das dringende Gefühl duschen zu müssen. Mich nach der langen Fahrt wieder wohl in meinem Körper fühlen. Scheinbar hatten ein paarAmeisen den selben Drang unter die Dusche meines Host zu gehen…

Langsam wurde mir bewusst, dass ich nun alleine in Norwegen war und keine Ahnung hatte, was ich die kommenden Tage machen sollte. Um etwas festes zuhaben buchte ich am folgenden Abend einen Zug nach Bergen (Kleiner Remainder an mich und an alle, die mit dem Zug durch Norwegen wollen, früh buchen! Die Züge sind schnell ausgebucht und gerade in den Ferien teuer, denn es gibt nur so viele Tickets wie Sitze).

Die Tage in Oslo verbrachte ich hauptsächlich damit morgens eine Runde laufen zu gehen und nach der Dusche durch die Stadt zu schlendern. Währenddessen kaufte ich mir was Kleines zu essen, machte viele Fotos und saß in Parks, las und beobachtete die anderen Menschen (Generell sind Parks der go to spot während des Reisens). Oslo ist relativ Hügelig, super sauber und sehr grün. Es gibt viele alte Gebäude im Jugendbau. Seitdem ich 2019/20 in Lettland war, hat mich der Jugendbaustil ganz für sich eingenommen. Ich setzte mich bewusst in Cafés um diese alten Gebäude und ihren Flair in meinem Notizbuch festzuhalten.

An meinem Geburtstag entschied ich mich, das alternative und Studenten Viertel Grunerlokka anzuschauen. Bereist nach meinem ersten Tag war ich begeister von Oslo, aber das Viertel, einfach ein Traum. Die Cafés hatten alle mindestens eine vegane Alternative, wenn sie nicht sogar rein Vegan waren. An jeder Ecke gab es second˗hand Läden und an den Wochenenden Flohmärkte. Auf der einen Seite wurde das Viertel durch einen kleinen Bach begrenzt , der eine kleine Idylle in mitten des geschäftlichen Treibens kreierte. Ich wollte am liebsten direkt auf Wohnungssuche gehen.


Die Zeit in Oslo genoss ich sehr und ich freute mich schon auf die Tage vor meiner Rückreise, denn dann würde ich wieder durch ihre Straßen schlendern und Ausschau nach neuen guten Cafés halten können.


Die Zugstrecke zwischen Oslo und Bergen wird als eine der schönsten Zugstrecken bezeichnet und ich wollte sie unbedingt abfahren. Ich war noch nie während einer Zugfahrt so wenig am Handy wie in diesen 5h. Selbst wenn ich nur kurz ein Video machen oder die Musik wechseln wollte, hatte ich das Gefühl, ich würde etwas wichtiges verpassen. Die Landschaft veränderte sich kontinuierlich, wurde immer schöner und schöner. Felsige Hügel, grüne und saftige Täler, magische Wasserfälle, kristallklare Seen und schneebedeckte Hügel.

Ich kann diese Zugstrecke und wahrscheinlich sogar jede Zugstrecke in Norwegen sehr empfehlen. Dieses Naturschauspiel, welches ich zu Gesicht bekam, war beeindruckend und lies meine alltäglichen Probleme für einen kurzen Augenblick nichtig werden. Ich versank in der Weite und Vielfalt. Ich war im Hier und Jetzt.

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