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  • Rahel

Zurück trampen

Für mich ging es von Vaksdal aus nach Voss, ein kleiner Ferien- und Skiort. Hier wollte ich zwei Nächte bei einer Hostin übernachten. Nachdem sie mir zugesagt hatte, bei ihr bleiben zu können, antwortet sie auf keine meiner weiteren Nachrichten. Ich entschied mich kurzerhand auf einen Campingplatz auszuweichen. So würde ich wenigstens einmal meine Hängematte ordentlich benutzen. Da ich schon für Oslo jemanden gefunden hatte, der mich für die letzten Nächte und auch schon für eine früher aufnahm, würde ich am nächsten Tag schon Richtung Oslo trampte.

Ich stellte mich morgens mit einem Schild außerhalb von Voss an die Straße. Durch den ananhaltenden Regen war mein Schild kurz vorm auseinanderfallen. Nach eineinhalb Stunden hielt endlich ein Auto und ich wurde von einem deutschen Pärchen mitgenommen. Sie ließen mich an einem kleinen Rastplatz raus, von wo aus sie weiter Richtung Norden und ich Richtung Osten musste. Am Rastplatz hatte ich viel Glück. Als ich gerade von der Toilette Richtung Straße lief, fuhr ein kleine Reisebus an mir vorbei und der Busfahrer schaute fragend auf mein Schild. Er winkte mich zu sich und bot mir an, mich zu einem Ort ein Stunde vor Oslo mitnehmen zu könne. Jackpot! Ich hatte schon immer darauf gehofft, einmal von einem Bus mitgenommen zu werden.



Nach der vier stündigen Fahrt über Hochebenen setzte mich der Fahrer an einer Bushaltestelle, bei bestem Wetter, ab. Die letzten eineinhalb Wochen starker Dauerregen waren wirklich eine neue Erfahrung für mich. Für die letzte Stunde nach Oslo, nahm ich den Bus. Ich wollte ankommen und mir schien, als wären die Norweger nicht die größten Trampeuphorieker.

Auch für die letzten Nächte nutze ich Couchsurfing und übernachtete bei zwei netten Menschen. Bei der ersten Person hätte ich auch die ganzen letzten Nächte bleiben können. Mir wurde es allerdings zu viel, da er nur ein kleines Studentenzimmer hatte und ich nicht das Gefühl hatte, dass wir menschlich so gut zusammen passten. Ich entschied mich also meinen Host zu wechseln.

Mit meinem letzten Host, Magnus, verstand ich mich dafür noch besser. Magnus, war ca. Anfang 30, freundlich und ein wenig alternativ. Wir bestellten zusammen indisches Essen und führten schöne Gespräche, während wir mit einem Gläschen Wein in der Hand auf dem Balkon saßen und den Sonnenuntergang beobachteten. Abends nahm er mich und seine Freunde mit zum feiern. Bei ihm fühlte ich mich wohl. Ein weiterer Bonuspunkt war, er lebte in Grunerlokka, dem Viertel, in welches ich mich schon am Anfang verliebt hatte.


Und schneller als ich am Anfang dachte, waren die zweieinhalb Wochen auch schon wieder vorbei. Die Zeit in Norwegen war wunderschön und ereignisreich. Ich lernte viel über mich selber. Unter anderem, wie ich in Zukunft mit Selbstzweifeln, Einsamkeit, Ratlosigkeit und dem Gefühl des Versagens umgehen kann. Dass es Okay ist wenn sich Pläne ändern oder etwas nicht so läuft, wie man es sich erhofft hatte. Wie beispielsweise in Voss, als ich von meiner Hostin sitzen gelassen wurde und letztlich doch für eine Übernachtung zahlen musste. Trotzdem konnte ich einen kleinen Teil der Norwegischen Kultur, durch den direkten Kontakt mit den Menschen, die mich aufnahmen und mit denen ich sprach, kennenlernen.

Ich hatte angefangen zu lernen, Menschen so anzunehmen wie sie sind. Weiß nun, dass ich mehr meiner kostbaren Zeit in der Natur verbringen möchte und der Frage auf den Grund kommen muss, wie die Norweger es schaffen, ihre Wochenendhütten auf den Gipfel der Berge zu bauen, zu denen es gefühlt nicht einmal Wanderpfade gibt.

Meine Begierde Skandinavien weiter zu erkunden ist nach den zweieinhalb Wochen  weiter gestiegen und ich kann es kaum erwarten, bald wieder Richtung Norden aufzubrechen.

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